Erlangen, Deutschland, 28.07.2004 (71511 Kilometer)
Jenseits der Grenze leben die Menschen offenbar zu einem guten Stück von Sexpendlern aus Österreich. "Neue Mädchen" steht auf plakatgroßen Hinweisschildern, die für dieses und jenes "Hotel" werben. Am Straßenrand stehen lockend Mädchen und Frauen aller Gewichtsklassen und Geschmacksrichtungen - wie in die Landschaft gestellt und noch nicht abgeholt.
In Pilsen bin ich Erlangen 200 Kilometer nah, von jetzt an entferne ich mich in Richtung Chemnitz wieder von meinem Zielpunkt. In Grenznähe zu Deutschland gibt es wieder viele "Neue Mädchen". Hier sitzen sie in erkerartigen, gläsernen Schaustuben; eine dunkelhäutige Schönheit läuft - telefonierend oder zum Schein telefonierend - im weißen Bikini in ihrem Glaskasten auf und ab.

Dann der letzte Ausreisestempel, die letzte Grenze, der letzte Einreisestempel - den deutschen Stempel gibt es für einen Deutschen natürlich wieder nur auf besonderen Wunsch.
Deutschland! - Hat es sich verändert in den letzten vier Jahren? Zunächst freilich fällt mir nur Oberflächliches auf. Geiz scheint inzwischen etwas Gutes zu sein. So liest es sich jedenfalls auf den Werbewänden. Und das Wort "billig"? Das war doch früher ebenfalls negativ - jetzt geben Lebensmittel-Discounter damit an, billig zu sein. Sieht aus, als hätte die Werbung den einen oder anderen Begriff wieder salonfähig gemacht. Der Media-Markt fordert unterdessen die offenbar übersatten Konsumenten mit riesigen Plakaten zum Weiterkonsumieren auf: "Kaufen! Marsch, marsch!" Das wirtschaftliche Wachstum hat sich in den vergangenen Jahren noch weiter seinen Grenzen genähert. Mir will bloß noch nicht in den Kopf, warum es ein Problem ist, wenn alle satt sind.
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