Erlangen, Deutschland, 28.07.2004 (71511 Kilometer)
Aus dem Geldautomaten auf der Hauptstraße von Nickelsdorf ziehe ich meine ersten Euro-Scheine. Eine Währung, die mir weniger geläufig ist als der Guarani aus Paraguay oder der Kip aus Laos. Als der Euro eingeführt wurde, lag ich an einem weißen Sandstrand in Brasilien.

Kurz vor Linz besuche ich Harald Bachinger, der monatelang als Rucksackreisender durch Südamerika gezogen ist. Wir hatten uns in Brasilien bei den Iguacu-Wasserfällen kennengelernt. Noch vor dem Ende meiner Reise können wir in jahrealten Erinnerungen schwelgen, erzählt Harald von gemeinsamen Erlebnissen, an die ich wegen der unzähligen anderen Eindrücke kaum noch erinnern kann. Alte Geschichten von der Reise, auf der ich mich noch immer befinde.
Von Linz bis zur deutschen Grenze bei Passau sind es nur noch 90 Kilometer. Erlangen liegt keine zwei Tagesetappen entfernt. Aber nach Erlangen will ich nicht - noch nicht. Statt dessen werde ich durch Tschechien nach Berlin fahren und dann nach Hildesheim, um dort meine Mutter zu überraschen. Sie ahnt überhaupt nichts, wähnt mich noch in Ungarn. Mein Bruder Max hat ihr ausgerichtet, daß ich noch zwei Wochen am Plattensee verbringen werde. Die wenigen Leute, die wissen, wo ich wirklich bin, sind streng dazu vergattert, noch eine Woche lang dichtzuhalten.
Kurz vor dem tschechischen Grenzposten zählt der Fahrrad-Computer den 70.000sten Kilometer.
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