Gartony, Ungarn, 01.07.2004 (69535 Kilometer)
Kurz vor Sighisoara machen wir einen kurzen Abstecher von der gut asphaltierten Hauptstraße, folgen dem kleinen Wegweiser, der das Dorf Crit ausschildert, gesprochen "Kritz", zu Deutsch "Kreuz". Von einem Meter auf den anderen befinden wir uns in einer anderen Welt, in der die Zeit ungleich langsamer dahinzufließen scheint. Zunächst sehen wir auf der Hauptstraße von Crit, einem breiten Erdweg, allerdings niemanden. Es ist etwa 14.00 Uhr, die Sonne steht steil am Himmel, High-Noon-Feeling kommt auf. Wie drei Cowboys reiten wir die Hauptstraße hinunter.

Am Ende der Straße entdecken wir die Dorfkneipe, vor der gerade vier Männer unter einem Sonnenschirm Platz nehmen. Niemand von ihnen spricht Deutsch, auch nicht der Wirt. Als wir fragen, ob es überhaupt noch Deutsche hier gibt, steht Dometru auf, um seinen Freund herbeizuholen. Nach wenigen Minuten kommt er mit Horst Martini zurück, einem von zehn Deutschen, die noch in Crit leben. Sie alle sind nicht mehr jung - Horst zählt 63 Jahre - und wollten sich der großen Auswanderungswelle in den 80er Jahren nicht anschließen. Die nach Deutschland gingen, verkauften oder vermieteten ihre Häuser an Rumänen, die jetzt die überwiegende Mehrheit im Dorf bilden. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Rumänen ist zwar nicht schlecht, aber dennoch fühlt sich Horst einsam hier. Er überlebt im wesentlichen als Selbstversorger, baut Kartoffeln und Mais an, hat ein paar Hühner und ein 60 Kilo schweres Schwein. Milch kriegt er vom Nachbarn im Tausch gegen Heu. Bargeld kommt in Form einer kleinen Rente herein, aber viel kann es nicht sein, denn die 150 Euro, die Dometru erhält, bezeichnet er als sehr üppig.
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