Gartony, Ungarn, 01.07.2004 (69535 Kilometer)
An der Grenze nach Rumänien hängt beim bulgarischen Posten über dem Schalterfenster, an dem man seinen Paß einreicht, ein kleines Schild, das in indirekter Weise von korrupteren Zeiten erzählt: "An diesem Schalter ist kein Geld zu bezahlen." Bei der Einreise, von der Türkei kommend, fiel mir schon das Beschwerdebuch auf, das im Abfertigungsraum auslag. Daneben war sogar noch eine Telefonnummer angegeben, bei der man Unregelmäßigkeiten melden konnte. Für den Touristen mögen also die Zeiten der Korruption vorbei sein; die Einheimischen klagen jedoch weiterhin über Bestechlichkeit bei den Behörden.

In Constanza trifft per Flugzeug mein Bruder Max ein. Kurz vor meiner Rückkehr nach Deutschland ist er nun der erste aus der Familie, der mich - gewissermaßen als Vorauskommando - in Empfang nimmt. Vor drei Jahren haben wir uns zuletzt gesehen. Wie damals, als er nach Kenya kam, hat er sein Fahrrad wieder mitgebracht. Während wir ein paar Tage an der Schwarzmeerküste bei Mamaia faulenzen, gibt Max mir einen kleinen Einblick in das deutsche Leben im Jahre 2004. Ich sehe Euro-Scheine, erfahre vom ebay-Fieber und bekomme demonstriert, wie sich mit Handy und SMS vieles leichter organisieren läßt - zum Beispiel auch unser Treffen mit Gangolf, einem Freund von Max, der in Bukarest zu uns stoßen wird. Und ich bekomme jetzt, wo ich längere Zeit mit einem vertrauten Menschen aus der Heimat verbringe, das Gefühl, daß ich vielleicht ein wenig rauh geworden bin. Daß mehr Feinfühligkeit angebracht sein mag, wenn ich in Deutschland wieder zurechtkommen will.
weiter