Gartony, Ungarn, 01.07.2004 (69535 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8   Noch einmal Urlaub

Per eMail kontaktierte ich die Leute vom Hostel in Neu-Delhi. Das Paket war inzwischen bei ihnen aufgetaucht, jedoch vom Postboten wieder zurück zum Postamt genommen worden, da er es nur dem Absender persönlich aushändigen wollte. Ich schickte per Internet eine Vollmacht für das Hostel-Personal und die Kopie meines Reisepasses nach Neu-Delhi, "mein Verleger des neuen Indien-Reiseführers" stellte für die Diafilme außerdem noch eine Belohnung von 40 US-Dollar aus - aber auch das half nichts. Das Päckchen mit den zehn belichteten Diafilmen, das bereits die Haustür des Empfängers in Erlangen gesehen hat, hängt jetzt fest in Neu-Delhi. Die Deutsche Post sagt, sie habe außerhalb Deutschlands keine Zugriffsmöglichkeit und begnügt sich derweil bei ihren Erklärungen und Entschuldigungen mit Standardfloskeln und Textbausteinen in Briefen, die mit eingescannten Namenszügen unterschrieben sind: "... danken für Ihre Reklamation ... zum Anlaß genommen, im betroffenen Bereich nachzusteuern ... hoffen, Sie in Zukunft wieder zu unseren zufriedenen Kunden zählen zu können ..." - Seit vier Monaten zieht sich die Prozedur bereits hin, und ich gebe die Hoffnung langsam auf, die zehn Diafilme jemals wiederzubekommen.



Symbol für die Modernisierung eines Landes? Oder richtungweisend auf dem Weg zur globalen Einheitskost? - McDonalds im bulgarischen Varna.

Unterdessen durch Bulgarien radelnd, rätsele ich einige Tage lang, ob ich bereits in die Europäische Union eingereist bin oder noch nicht. Eigentlich habe ich geglaubt, daß sich Bulgarien im Wartestand befindet, aber die blauen Flaggen mit den gelben Sternen, die überall neben dem weiß-grün-roten Banner hängen, weisen ganz offenbar auf die EU-Mitgliedschaft hin. Schließlich bestätigt jedoch ein Bulgare, daß sein Land - wie auch Rumänien - erst 2007 in die Union aufgenommen werden soll. Ist die demonstrative Vorfreude wohl ein Kalkül der hiesigen Politiker? Wollen sie vielleicht für den Fall, daß die Länder zum entscheidenden Zeitpunkt noch nicht so weit sind, die Reaktion aus Brüssel "Wir dürfen die Balkanländer jetzt nicht enttäuschen" herausfordern?

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