Gartony, Ungarn, 01.07.2004 (69535 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8   Noch einmal Urlaub

Wenn man auf einem Postamt in Neu-Delhi ein Päckchen mit kostbarem Inhalt auf den Weg nach Deutschland bringt, dann schwingt natürlich Sorge mit: Wird es auch wirklich zu Hause ankommen? Oder werden die Postbeamten das Päckchen räubern, bevor es das Postamt überhaupt verlassen hat? Oder verschwindet es ganz einfach im allgemeinen indischen Chaos?

Das Päckchen war kostbar, weil zehn belichtete Diafilme darin waren. Außerdem Andenken an China und Myanmar. Die Sucherkamera, die einmal 300 Mark gekostet hat, war vergleichsweise wertlos. Oft habe ich solche Päckchen schon Reisenden in die Hand gedrückt, die kurz vor dem Rückflug nach Deutschland standen und dann innerhalb Deutschlands an einen meiner Freunde versenden konnten. Das hat meistens gut geklappt. Einmal allerdings - vor zehn Jahren im Sudan - bekam eine Heimreisende kurz vor dem Abflug kalte Füße: Sie wußte, daß sich Filme unter meinen Sachen befanden, und befürchtete im Flughafen plötzlich, Schwierigkeiten mit den Zollbeamten zu bekommen. Sie hatte, wie sie später erklärte, Angst, unter Spionageverdacht zu geraten, und entschied sich spontan, die Sendung doch lieber bei der Post aufzugeben. Dabei verwendete sie den dünnen Umschlag, den ich ihr mitgegeben hatte, der aber keinesfalls stabil genug für den Versand war. Völlig zerrissen und zerfleddert kam der Umschlag denn auch in Deutschland an, und es war schon großes Glück, daß keiner der Filme verlorengegangen war.




Seit dieser Begebenheit mache ich mir gründlicher Gedanken darüber, wem ich wo etwas mitgebe. In Weltgegenden, in denen Rauschgifthandel lukrativ ist, kann es darüber hinaus auch eine Zumutung sein, jemanden um einen solchen Kurierdienst zu bitten. Sie oder er hat es ja im Reiseführer bestimmt schon gelesen: Nimm nichts mit von Leuten, die du nicht sehr gut kennst. Du könntest nichtsahnend zum Drogenkurier werden.

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