Mamaia, Rumänien, 09.06.2004 (68153 Kilometer)
Also darf ich nicht in die Innenstadt, sondern muß mich durch die Ausläufer des Molochs daran vorbeidrängeln. Die neuere Brücke, die ein paar Kilometer nördlich von der älteren liegt, ist leider tabu, weil sie Teil einer echten Autobahn ist. Soweit sind inzwischen auch die türkischen Polizisten, daß sie Fahrräder auf solchen Highways nicht dulden. So radele ich nun von Nord nach Süd am asiatischen Bosporusufer entlang und halte Ausschau nach einer Fähre. Doch weit und breit keine zu sehen. Nur ab und zu große Schiffe, die zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer unterwegs sind. Angler stehen in einer langen Reihe an der Uferpromenade, als fände gerade ein Wettangeln statt. Ich fahre immer weiter nach Süden, komme unter der neuen Brücke hindurch und der alten nun bedrohlich nahe. Sie steht hinter einem Knick der Meerenge, aber der westliche Pfeiler ist von hier schon gut zu erkennen.

Als ich nur noch rund zwei Kilometer vom vorzeitigen Ende der Weltumradlung entfernt bin, finde ich endlich eine Anlegestelle für Fährboote. Nachdem ich das Ticket gekauft habe, bleibt noch eine halbe Stunde Zeit, bis die Fähre kommt. Zeit genug, Istanbul von diesem ungewöhnlich ruhigen Plätzchen aus zu betrachten. Zeit genug auch, daß plötzlich blöde Gedanken aufkommen: Wo in Europa wird das Boot wohl anlegen? Möglicherweise fährt es zunächst ein gutes Stück Richtung Süden, fährt also vielleicht unter der alten Brücke durch. Kreuzt meine Route. Das wäre katastrophal.
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