Tabriz, Iran, 26.04.2004 (65209 Kilometer)
In den Straßen der Hauptstadt herrscht ein übles Chaos. Angeblich sind die Hälfte der iranischen Autos hier zu Hause. Gefährlicher als die Autos sind aber die Mopeds; sogar auf den Bürgersteigen ist man vor ihnen nicht sicher. Auf der Suche nach freier Fahrt vorbei an den zähgleitenden Autoschlangen haben die Mopedfahrer nicht die geringste Scheu, die Gehwege zu benutzen. Das ist so selbstverständlich, daß die Fußgänger sich schon freiwillig gegen die Hauswände pressen.

Notorisch auch das Geisterfahren, in Teheran wie überall sonst im Iran: gegen die Einbahnrichtung, links auf der Straße, im Uhrzeigersinn durch den Kreisverkehr. Bei dieser Verkehrsdichte ist das wirklich saugefährlich. So oft habe ich mich gefragt, warum die Polizei nicht gegen die Linksfahrer vorgeht. Der Iran ist doch ein zivilisiertes Land und die Staatsgewalt bei so vielen anderen Verfehlungen schnell zur Stelle - wenn irgendwo Alkohol gerochen wird, oder wenn eine Frau den Chador nicht trägt. Wochenlang rätselte ich, warum die Polizei nichts gegen die Geisterfahrer tut. Bis mir in einem Kreisverkehr in Teheran ein dickes BMW-Motorrad entgegenkam - darauf saß ein Polizist.
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