Isfahan, Iran, 10.04.2004 (64131 Kilometer)
"Von Meldepflicht hat mir niemand etwas gesagt! Nicht auf dem Konsulat in Afghanistan und auch nicht an der Grenze bei der Einreise."
"Das ist dann nicht richtig gelaufen", tut er verständnisvoll. "Aber wenn Sie sich nicht gemeldet haben, müssen Sie Strafe zahlen."
"Von Meldepflicht hat mir niemand etwas gesagt", wiederhole ich monoton. "Nicht auf dem Konsulat und nicht an der Grenze."
Es dauert eine Viertelstunde, aber auch er gibt schließlich auf.

Der allererste Eindruck vom Iran ist nicht gut. Der Grenzposten liegt noch keinen Kilometer hinter mir, ich fahre in die Stadt Serakhs ein, als ein jugendliches Mopedduo im Vorbeifahren die Colaflasche von meinem Gepäckträger klaut. 200 Meter weiter verschwinden die beiden um die nächste Ecke. Zur großen Überraschung kehren sie jedoch nach wenigen Minuten zurück, um die Beute zurückzugeben. - Eigenartig.
'Die haben gehofft, Alkohol in der Flasche zu finden, weil ich gerade aus Turkmenistan komme', ist meine einzige Erklärung. Alkohol ist im Iran streng verboten; mit den richtigen Beziehungen kann man wohl was auftreiben, doch schwere Strafen drohen. Auch in Afghanistan wollten ab und zu Dahergelaufene unbedingt meine Trinkflaschen inspizieren, weil sich herumgesprochen hat, daß die Europäer gern Alkohol bei sich haben. Iraner, denen ich später von dem Mopedduo erzählte, meinten aber, daß es sich eher um eine Wette gehandelt hat: Mal sehen ob wir es schaffen, ihm die Flasche zu stibitzen.
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