Serakhs, Afghanistan, 19.03.2004 (62613 Kilometer)
Was für Freiheiten man da drüben hat! Ich könnte abends einfach die Straße verlassen, um hinter einem Hügel oder in einem verlassenen Gebäude das Zelt aufzubauen. Hier ist das undenkbar. Je besser ein Versteck, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß du da in die Luft fliegst. Mitunter sind die Minenfelder mit farbig markierten Steinen gekennzeichnet, südlich des Salang-Passes über den Hindukusch signalisieren Markierungen sogar, daß man keinen Zentimeter neben die Straße treten sollte. 10 Millionen nichtexplodierte Minen, 100 bis 300 Minenunfälle pro Monat in Afghanistan - das zu wissen, reicht aus, daß man sich strikt daran hält.
Fehlende Markierungen garantieren natürlich keineswegs die Abwesenheit von Minen. Die Räumkommandos mögen noch nicht so weit gekommen sein; außerdem legen talibannahe Gruppen auf bereits geräumten Minenfeldern schon wieder neue Sprengkörper aus.

In Mazar-e-Sharif gibt es ein uzbekisches Konsulat, das hatte ich zufällig schon auf der afghanischen Botschaft in Neu-Delhi mitbekommen. Auf dem Konsulat werde ich mich um ein Visum bemühen. In Uzbekistan muß ich dann allerdings auch die Durchreisegenehmigung für Turkmenistan bekommen, sonst sitze ich plötzlich in der Falle.
Als ich mich gerade erst wieder aufs Rad geschwungen habe, um die letzten 30 Kilometer nach Mazar in Angriff zu nehmen, hält vor mir ein Geländewagen, nachdem er überholt hat. Ein Weißer steigt aus - Viktor aus Deutschland. Er lebt mit seiner Familie schon seit neun Jahren im Nordwesten Afghanistans, ist Orthopäde, hat vor allem mit der Herstellung von Beinprothesen zu tun. Viktor wohnt zwar in Maimana - eine Tagesreise mit dem Auto von hier -, aber er lädt mich zu seinem Freund in Mazar ein.
"Kann ich da einfach so aufkreuzen?"
"Das ist kein Problem, der ist unkompliziert. Er ist Holländer."
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