Serakhs, Afghanistan, 19.03.2004 (62613 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10 | Seite 11   Das Schlupfloch

Relativ sicher fühle ich mich auch auf den 250 Kilometern zwischen Dowshi und Mazar-e-Sharif ganz im Norden des Landes. Einzig ein deutscher Polizei-VW-Bus wird mir gleich am Morgen hinter Dowshi gefährlich. Er ignoriert mich, als er - entgegenkommend - überholt, und ich kann mich wirklich nur durch einen Sprung mit dem Rad von der Straße retten. Am Steuer des von Deutschland gestifteten Fahrzeuges sitzt freilich ein einheimischer Polizist.




Das Gefühl relativer Sicherheit verleitet mich auch auf diesem Streckenabschnitt nicht, die Wahrheit zu sagen, wenn die Menschen nach meiner Route fragen. Vor dem Hindukusch habe ich behauptet, nach Bamiyan zu fahren, wo früher die riesigen Buddha-Statuen standen, die die Taliban im Frühjahr 2001 in die Luft gesprengt haben. Jenseits der Abzweigung gab ich Kunduz als Ziel an. Jetzt muß ich fast 200 Kilometer lang "Uzbekistan" behaupten, weil es auf diesem langen Abschnitt keine weitere Verzweigung gibt. So oft lüge ich inbrünstig, ich würde nach Uzbekistan radeln, daß eine gute Idee lange Zeit blockiert ist und mir erst ziemlich spät kommt: Ich könnte doch eigentlich nach Uzbekistan radeln! Und von dort über Turkmenistan weiter in den Iran.

Bei der T-Kreuzung, an der rechts der Weg zur Grenzstadt Termez abzweigt, gibt es ein einfaches Restaurant, in dem man die übliche Auswahl hat: entweder Reis mit ein paar gekochten Fleischstückchen oder Kebab - Fleischspieße - mit Brot. Während ich den Reis löffele, schaue ich immer wieder aus dem Fenster hinaus in die Landschaft, die hier vollkommen wüst ist. Nur 60 Kilometer trennen mich von friedlichem Territorium.

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