Serakhs, Afghanistan, 19.03.2004 (62613 Kilometer)
Vorgestern bin ich aus der Hauptstadt nach Norden aufgebrochen. Der Hindukusch liegt inzwischen hinter mir, hinter mir liegen auch weitere Attacken feindselig gestimmter Afghanen, wie es sie bereits zwischen Khyberpaß und Kabul gab. Kurz vor dem Städtchen Dowshi bombardierte mich eine Gruppe erwachsener Männer mit Steinen. Weil die Straße asphaltiert ist, konnte ich ihnen entkommen. In dem Ort selbst traf ich dann wieder auf sehr freundliche Menschen.
Es ist erstaunlich, wie nah Haß und Gastfreundschaft in Afghanistan beieinanderliegen. Das macht auch alles so unberechenbar. Grundsätzlich kann man sich darauf einstellen, daß größere Orte einigermaßen sicher sind, weil die Menschen in einem gewissen Maß gebildet sind. Aber auf dem Lande, wo viele Bewohner ignorant sind und zudem konservativer, kann es sehr gefährlich werden. Mangels Polizei befindet man sich dort außerdem oft in rechtsfreiem Gebiet.

Im Hof hinter dem Restaurant von Dowshi überläßt man mir ein einfaches, typisch afghanisches Zimmer: einen Raum ohne Möbel, jedoch mit Teppichen und vielen Matratzen und Kissen ausgestattet, die man sich so zurechtrückt, wie es gefällt. "Wenn ich jeden Abend so eine Unterkunft finde, bin ich wenigstens nachts sicher", schreibe ich nach dem Abendessen in mein Notizheftchen.
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