Mazar-e-Sharif, Afghanistan, 05.03.2004 (61504 Kilometer)
Das Leben in Kabul hat sich noch längst nicht normalisiert. Am auffälligsten ist die mangelnde Versorgung mit Wasser und Elektrizität. Von einem öffentlichen Stromnetz ist nicht viel zu sehen; wer in seinem Geschäft, Büro oder Hotel Strom braucht, hat einen eigenen Generator. Ganze Marktviertel leben vom Verkauf solcher Generatoren. Das "Park-Hotel", in dem ich logiere, startet seine Maschine mit dem Sonnenuntergang und läßt sie dann etwa vier Stunden lang laufen. Toiletten gibt es, zwei Stück, aber es bedarf schon eines gewissen Abhärtungsgrades, um sie benutzen zu können. Eine Dusche gibt es nicht. Für die Ganzkörperreinigung begibt man sich ins Hamam, das glücklicherweise nur hundert Meter entfernt liegt. Hamams sind meist Badehäuser, hier ist es aber nur eine Ansammlung von Zellen, in denen man Warmwasser in Eimer laufen läßt, das man dann mit einer Schöpfschale über sich schüttet.

Auch an Arbeitsplätzen herrscht in der afghanischen Hauptstadt akuter Mangel. Viele Menschen machen mit dem Verkauf irgendwelcher Kleinigkeiten auf den Bürgersteigen Pfenniggeschäfte. Alte Afghanen haben eine Decke vor sich ausgebreitet, auf der ein paar Feuerzeuge liegen, die sie an den Mann bringen wollen. Andere verkaufen ausschließlich Nagelscheren, andere haben fünf Schachteln Zigaretten im Angebot. Kinder investieren in eine Rolle Klopapier und wickeln davon kleine Portionen ab. Mit diesen Minirollen, ausgebreitet auf einem Papptablett, ziehen sie durch die Teestuben und verkaufen das Stück für sechs Pfennige. Es sieht so aus, als würden die meisten Menschen gerade so eben über die Runden kommen - wenn überhaupt.
weiter