Mazar-e-Sharif, Afghanistan, 05.03.2004 (61504 Kilometer)
In einem Außenbezirk der Stadt, etwa 15 Kilometer vor dem Zentrum, spüre ich sie ganz plötzlich wieder: diese bad vibrations. Schneller als erwünscht wird das ungute Gefühl auch bestätigt. Plötzlich rechts hinter mir Laufschritte, und bevor ich mich umschauen kann, überholt mich ein riesiger Stein - eher schon ein kleiner Fels -, den mir ein Mann hinterhergeschleudert hat. Der Brocken rollt von rechts nach links schräg hinter dem Rad vorbei. Außer mir vor Wut mache ich kehrt, um den Mann zu verfolgen. Genau in diesem Moment kommt eine italienische Panzerpatrouille vorbei. Entweder sehen die Soldaten uns wirklich nicht oder sie wollen sich nicht wegen einer Lappalie einmischen. Zwei umstehende Afghanen signalisieren mir, daß der Steinwerfer nicht ganz normal sei. Ich ziehe mich wieder zurück; was sollte ich mit dem Idioten schon machen?
In der Stadtmitte herrscht wesentlich bessere Stimmung. Das Zentrum von Kabul gilt als einigermaßen sicher, tagsüber jedenfalls. Panzer der ISAF-Truppen patrouillieren in den Straßen, außerdem ist sehr viel afghanische Polizei präsent mit ihren grünweißen Pickups, die Deutschland gestiftet hat. Zum Outfit dieser Wagen gehört auch das deutsche Martinshorn. Klingt hier ein wenig sonderbar.

Weit über die Hauptstadt hinaus reicht die Macht des Präsidenten Karzai jedoch nicht, weswegen er ja oft genug schon als "Bürgermeister von Kabul" bezeichnet wurde. Draußen - im wirklichen Afghanistan - liegt die Macht weiterhin bei den alten Warlords. Die versucht man nun in die Regierung mit einzubeziehen, um eines Tages doch noch einmal ein Staatsgefüge Afghanistan auf die Beine stellen zu können. So bekam zum Beispiel der berüchtigte General Dostum, der den Nordwesten des Landes kontrolliert, den Job des Vize-Verteidigungsministers. Dennoch hält er sich die meiste Zeit außerhalb der Hauptstadt auf, weil er im Norden seine Macht sichern muß.
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