Mazar-e-Sharif, Afghanistan, 05.03.2004 (61504 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10 | Seite 11 | Seite 12 | Seite 13 | Seite 14 | Seite 15 | Seite 16   Hindukusch

Aber ich kann nicht weiterfahren. Es ist fast dunkel, und durch die Nacht zu radeln, wäre noch gefährlicher als hierzubleiben. Ich bluffe, so gut es geht, behaupte unter anderem beiläufig, daß es die Polizei in Sarowbi war, die mich hierhergeschickt hat. Daß ich alles andere als schwul bin, nehmen sie mir hoffentlich ab, als ich von meiner großen Familie berichte.

Wochen später wird David, der für "Ärzte ohne Grenzen" im Norden Afghanistans arbeitet, nach meinen Erfahrungen in diesem Land fragen. Von vollkommen unterschiedlichen Stimmungen werde ich ihm erzählen. - "Wo gab es denn diese 'bad vibes'?" wird er dann wissen wollen. - "Zum Beispiel in Sarowbi zwischen Jalalabad und Kabul, auch in den Außenbezirken der Hauptstadt selbst und außerdem nördlich des Salang-Passes." - Und David wird von der jüngsten politisch motivierten Gewalttat berichten, bei der fünf afghanische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation aus dem Auto gezerrt und erschossen wurden. Das war ganz in der Nähe von Sarowbi.



Aufstieg nach Kabul.

Die Nacht in dem einsamen Restaurant vergeht ohne unangenehme Vorfälle. Ich schlafe zehn Stunden und starte mit dem Sonnenaufgang. In jedem Fall will ich noch heute Kabul erreichen. Der Tag beginnt zunächst wieder gut. Ständig winken mich Arbeiter der Minenräumkommandos auf einen Tee zu sich herbei, und ich kann bei weitem nicht alle Einladungen annehmen, weil die Reise nach Kabul sonst eine Woche dauern würde.

Die Arbeit dieser Leute, die mit ihren Detektoren Zentimeter um Zentimeter den minenverseuchten Boden absuchen, erfordert extreme Geduld. Mut sowieso. Ungeduld, Leichtsinn oder Übermüdung können sofort mit dem Verlust des Beines oder des Lebens bestraft werden. Von den 100 bis 300 Minenunfälle jeden Monat sind natürlich auch viele dieser "Deminer" betroffen. Ca. 10 Millionen nicht explodierte Minen vermutet man noch in Afghanistan.

weiter

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10 | Seite 11 | Seite 12 | Seite 13 | Seite 14 | Seite 15 | Seite 16