Mazar-e-Sharif, Afghanistan, 05.03.2004 (61504 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10 | Seite 11 | Seite 12 | Seite 13 | Seite 14 | Seite 15 | Seite 16   Hindukusch




Doch diese Einschätzung ändert sich in den beiden folgenden Tagen gewaltig. Als ich am nächsten Abend in das Dorf Sarowbi einfahre, spüre ich sofort feindselige Stimmung, die wie Elektrizität in der Luft liegt. Männer schauen finster aus den Hauseingängen herüber, andere lachen hämisch, machen sich offenbar mit irgendwelchen Sprüchen über mich lustig, so daß auch die Umstehenden gehässig zu lachen beginnen. Im Ort entdecke ich keine Herberge, bleibe aber erst am Ortsausgang, wo die Stimmung etwas entspannter ist, stehen, um nach Unterkunft zu fragen. Sofort umringen mich 30 Menschen, die unangenehm dicht aufrücken. Einer von ihnen spricht glücklicherweise Englisch. Schnell reiche ich ihm die Hand und begrüße ihn umschweifend. Auch wenn es ihm vielleicht nicht bewußt ist: Er ist jetzt mit dafür verantwortlich, diese unberechenbare Menschenmasse im Zaum zu halten.

Ein Hotel? Da müsse ich zurück, sagt er. - Zurück in dieses finstere Dorf zu diesen finsteren Leuten? Das will ich nicht! Zumal ich auf der steinigen Piste nur im Schritttempo vorankomme und niemandem davonfahren könnte. "Gibt's denn noch eine Unterkunft an der Straße nach Kabul?" - "Ja, ein paar Kilometer von hier ist ein Restaurant. Da kannst du übernachten."

Auch in diesem einsam stehenden Gebäude herrschen bad vibrations. Einige der Männer machen anzügliche Bemerkungen, die sexistisch zu sein scheinen. Gerade eben erst, auf dem Weg vom Dorf zu diesem Restaurant, hatte ein Mann aus einem vorbeifahrenden Auto heraus meinen Hintern angelangt. Ich muß an die Geschichte von dem Japaner denken, der in Kabul vergewaltigt wurde.

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