Mazar-e-Sharif, Afghanistan, 05.03.2004 (61504 Kilometer)
Die Landschaft bleibt auf der Westseite des Khyberpasses karg. Grün ist es nur, wo mit dem Wasser des Kabulflusses, der aus dem Hochland kommt, bewässert werden kann. Die Häuser und Hütten sind vorwiegend aus Lehm; sie stehen aber meist nicht einzeln da, sondern sind festungsartig von Lehmmauern umgeben. Weist das wohl schon auf eine gewisse Mentalität der Menschen hin? Auf Angriff und Verteidigung, wie im Mittelalter? - Aus junger Vergangenheit stammen die vielen Panzerwracks, die überall am Straßenrand herumliegen.

In Jalalabad kehre ich am Nachmittag im "Kahlid Modern Guest House" ein. Es wäre zwar noch Zeit, ein bißchen weiterzuradeln, aber ich will nicht gleich am ersten Abend irgendwo wild zelten, sondern erst einmal ein Gefühl für die Sicherheitslage bekommen.
Schnell wird ein Sohn des Hotelbesitzers aus einem anderen Stadtteil herbeigeholt, da er gut Englisch spricht. Asim, Anfang 30, hat in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad den Koran studiert und ist nach dem Studium nach Jalalabad zurückgekehrt. Es entwickelt sich an diesem Abend eine sehr anregende und offene Unterhaltung. Was er von der Anwesenheit der fremden Streitkräfte hält, frage ich ihn.
"Es ist gut, daß die USA die Taliban vertrieben haben", sagt er. "Das war schon eine sehr harte Zeit."
Die Auslegung des Koran durch die Taliban ging auch den meisten strenggläubigen Moslems zu weit: Nichtreligiöse Musik war verboten, Fernsehen, Lippenstift, Krawatten, Karten- und Schachspielen, menschliche Abbildungen in jeglicher Form, sei es auf Papier, auf Münzen oder als Statuen. In der Folge dieses Verbots wurden im März 2001 auch die weltberühmten Buddhastatuen von Bamyian gesprengt.
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