Mazar-e-Sharif, Afghanistan, 05.03.2004 (61504 Kilometer)
Die Grenze liegt ein paar Kilometer hinter dem Paß. Hier setzen mich meine Begleiter ab. Als ich bereits aus Pakistan ausgestempelt bin, führen mich die Soldaten in ein Nebengebäude, in dem mich der Boß dieser Grenzstation zu Tee und Gebäck einlädt. Er ist neugierig, wie es mir in Pakistan gefallen hat. Ich kann nicht klagen. Wenngleich es auch ein paar Idioten gab, die mich unflätig angrölten - die meisten Menschen waren äußerst freundlich. Warum Pakistan in unseren Medien so schlecht dargestellt würde, ist die zweite Frage, die ihm am Herzen liegt. Leider kann ich sie nicht beantworten. Wahr ist auf jeden Fall, daß im Westen Zerrbilder ankommen, die einen völlig falschen Eindruck von diesem Land vermitteln.
Die Grenzer auf der afghanischen Seite sind noch unkomplizierter als die pakistanischen. Ich muß regelrecht nach ihnen suchen, um an den Einreisestempel zu kommen. Ein Lastwagenfahrer schickt mich zurück zu einer unscheinbaren Hütte, in der drei Uniformierte Tee trinken. Einer von ihnen stempelt nebenbei den Paß ab und gibt ihn mir zurück. "Ist das alles?" schaue ich ihn überrascht an. "Ja, was sollte noch sein?" gestikuliert er mit offenen Händen und zuckenden Schultern. Zollkontrolle scheint man hier auch nicht zu kennen. Und ein Hinweis, daß ab jetzt wieder Rechtsverkehr herrscht, ist überflüssig - das erkennt ja jeder ziemlich schnell selbst.

"Welcome to Afghanistan" grüßt neben der holperigen Asphaltstraße ein handgemaltes Werbeschild für Motoröl. "Ja, danke", antworte ich, "freue mich wirklich sehr, hier sein zu dürfen."
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