Peshawar, Pakistan, 14.02.2004 (60762 Kilometer)
Bereits auf pakistanischem Gebiet wird es mit der Annäherung an die Grenze etwas wilder. In Nowshera, 40 km vor Peshawar, stellen sie einen Polizisten ab, der die Nacht im Nebenzimmer verbringt und für mich verantwortlich ist. Das Grenzgebiet zu Afghanistan wird weniger von der pakistanischen Regierung kontrolliert als von den dort ansässigen Volksstämmen. Man vermutet auch, daß sich Osama bin Laden irgendwo in den Bergen zwischen Peshawar und Quetta versteckt.
In Peshawar ist alles "Khyber": Es gibt den Khyber Bazar, die Khyber Road, die Zeitung "Khyber Mail", einen Khyber-Zahnarzt und einen Khyber-Optiker. Viele Autobesitzer haben ihrem Fahrzeug den Typennamen "Khyber" gegeben. Der berüchtigte Khyberpaß ist keine 60 Kilometer entfernt.

Ob man nur einen Ausflug zum Khyberpaß machen oder aber nach Kabul weiterreisen will - eine spezielle Genehmigung und ein bewaffneter Soldat als Begleitung sind unumgänglich. Das Permit ist im Büro für "Home Affairs" schnell ausgestellt. Die Stimmung dort ist freundlich. Der angejahrte Boß will wissen, wo meine Freundin ist. Erstaunlicherweise geht er gar nicht davon aus, daß ich verheiratet bin. "Weit weg", sage ich. Er möchte ein Foto von ihr sehen. Ich tue so, als fände sich eventuell eines in meinem Brustbeutel, ziehe dann aber nur meine Paßfotos hervor. "Ach ja, das Bild von ihr ist in meiner Unterkunft."
Nun will er wissen, wie das bei uns liefe, ob wir vor der Ehe Sex hätten. Dabei macht er mit den Fingern eine eindeutige Geste und wird sogar noch deutlicher: "Fucking?" Ich verweise auf mein fortgeschrittenes Alter. Was stellt er sich denn vor? "Ja." - Was denn passiere, wenn sie schwanger würde. - Das passiert nicht. - Aha, sie nimmt Medikamente? - Ja. - Vorher oder nachher? - Vorher!
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