Peshawar, Pakistan, 14.02.2004 (60762 Kilometer)
Einen Vorgeschmack auf die Launen der Angestellten dort bekomme ich gleich am ersten Morgen. Vor dem Amt sitzt ein Pakistaner aus einem Dorf im Norden bei Gilgit. Er war noch vor dem Großen Fest in die Hauptstadt gereist, um das Visum zu beantragen. Da die Gebühren nicht bar bezahlt, sondern nur per Überweisung beglichen werden können, wollte er das noch vor dem Bankwochenende und der folgenden Serie von Festtagen erledigen. Die Iraner jedoch händigten ihm das Überweisungsformular nicht aus: Er könne nämlich am morgigen Sonntag auch bar bezahlen. Am folgenden Tag erklärten sie ihm dann aber, sie dürften kein Bargeld annehmen. Seitdem wartet der Mann aus Gilgit auf das Ende des Großen Festes, bis die Banken wieder öffnen. Bei der Botschaft schaut er trotzdem jeden Morgen vorbei, damit man ihn dort nicht vergißt.
Ob sie heute offen ist oder nicht, kann er nicht so recht sagen. Es sei jedenfalls jemand da. Telefonisch frage ich von der Pforte aus innen an, ob mir jemand die Antragsformulare aushändigen kann. Ich soll warten, sagt der Herr am anderen Ende der Leitung. Nach einer halben Stunde Warten hat dieser Herr schließlich herausgefunden, daß die Botschaft heute nicht geöffnet ist. Ich soll in drei Tagen wiederkommen - nach dem Großen Fest.

Am Samstag behaupten sie dann, das Fax mit meiner Referenznummer aus Teheran sei bei ihnen nicht angekommen. Diese Referenznummer des Außenministeriums hatte mir ein Reisebüro im Iran in der Zwischenzeit organisiert, sie garantiert das Visum eigentlich. Nach einem Anruf im Iran schickt das Büro das Fax zur Sicherheit noch zweimal nach Islamabad, die Botschaft bestätigt dem Büro den Empfang. Doch mir gegenüber behaupten sie am nächsten Morgen wieder, es sei kein Fax bei ihnen eingegangen. Selten habe ich mich so hilflos gefühlt auf dieser Reise.
Kabul ist meine letzte Chance, das Visum doch noch zu bekommen. Ich wollte ohnehin nach Afghanistan, wenigstens mal reinschauen, um anzutesten, ob es möglich ist durchzuradeln. Jetzt MUß ich nach Kabul.
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