Peshawar, Pakistan, 14.02.2004 (60762 Kilometer)
Erst in Lahore erfahre ich, daß in zwei Tagen Eid al-Adha beginnt, das "Große Fest" der Moslems, das den Höhepunkt der Mekka-Pilgerzeit markiert. Drei bis fünf Tage lang werden hier alle Räder stillstehen; auch die Iranische Botschaft in Islamabad wird also eine Weile geschlossen sein. Wieder einmal eine unerwartete Verzögerung. Dafür habe ich auf dem Weg in die Hauptstadt aber die Straße beinahe für mich allein. Leben tobt nur in den Ortschaften selbst, da werden an diesen Tagen Schafe und Hammel verkauft wie bei uns Ende Dezember Weihnachtsbäume.

Islamabad hat eine eigenartige Struktur. Die Stadt ist nicht natürlich gewachsen, sondern das Resultat eines Reißbrettentwurfs. Anfang der 60er Jahre wurde sie als Hauptstadt gegründet, weil Karachi zu weit entfernt vom Hauptsiedlungsraum Pakistans lag.
Die Stadt ist modular aufgebaut, zusammengesetzt wie ein Schachbrett aus vielen Feldern. Jedes dieser Felder ist quasi ein quadratisches Dorf mit einer Kantenlänge von zwei Kilometern. Jedes Quadrat hat neben den Wohnhäusern seine eigenen Läden und Grünanlagen und ist damit praktisch autark. Alles ist äußerst weitläufig angelegt mit vielen parkähnlichen Grünflächen - wenn es auch nicht überall picobello sauber ist, so herrscht allein schon durch die Weite eine sehr erholsame Atmosphäre. Man hat jedenfalls nicht das Gefühl, in einer Stadt zu sein. Das Gesamtgebilde Islamabad ist durchnumeriert mit einem Buchstaben-Zahlen-System. Ich wohne in Sektor G7, die Iran-Botschaft liegt fünf Kilometer entfernt in Sektor G5.
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