Peshawar, Pakistan, 14.02.2004 (60762 Kilometer)
Wenn man sich kaum auf den Verkehr konzentrieren muß, ist auch wieder Platz im Kopf für Phantasien und neue Ideen. Seit kurzem bin ich ein Afghane, wenn jemand nach meiner Herkunft fragt. Die letzte Zeit war die Antwort ziemlich langweilig. Da war ich immer Deutscher, was noch daher rührt, daß ich die freundlichen Leute in Myanmar einfach nicht anschwindeln wollte. Schon lange nicht mehr bin ich der Chinese, als der ich durch Sumatra radelte, wo mir die Leute ihr "Woher?" im Kasernenton entgegenschleuderten.

So ähnlich geht das in Indien ja auch. Aber nach über drei Jahren auf der Straße wird man müde, diese stereotypen Fragen nach dem "Wohin" und "Woher" zu beantworten, und wenn sie dann auch noch so völlig unvermittelt als allererstes von jedem Dahergelaufenen und Dahergefahrenen kommen, wieder und immer wieder, dann braucht man Strategien, um einigermaßen freundlich zu bleiben. Eine gute Methode ist, sich einen Spaß daraus zu machen und Unsinn zu erzählen. Seit kurz hinter Delhi bin ich nun also Afghane. Spaß macht es besonders, weil es so viele Leute glauben. Auch in die Hotelkladden, die ebenfalls so viel wissen wollen, trage ich es ein: Löhestraße 30, Kabul, Afghanistan.
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