Neu-Delhi, Indien, 20.01.2004 (59548 Kilometer)
Am nächsten Morgen fahren wir auf gut Glück die letzten zwei Kilometer zur Grenze. Wieder ist es ein Riesentroß, der mich begleitet. Ich kann gar nicht mehr unterscheiden, wer zu den Offiziellen gehört und wer sich dem Pulk nur aus Neugier angeschlossen hat.

Der Großteil der Leute bleibt zurück, als wir die schmale Stahlbrücke über einen kleinen Fluß überqueren. Nur ein Polizist und die Pickup-Besatzung folgen mir auf indisches Gebiet. Dort nimmt mich ein junger Offizier der Einreisebehörde in Empfang; er ist überraschenderweise doch darüber informiert, daß ich komme. Ein kurzer, herzlicher Abschied von San Win und den anderen treuen Begleitern aus Mandalay, dann fahren sie alle zurück nach Myanmar.
Der Officer von der Immigration nimmt zunächst die Daten meines Reisepasses auf. Während er das tut, wandert die Hand eines Mannes in Zivil, der vor dem Fahrrad steht, in meine Lenkertasche. Die Hand greift nach der digitalen Kamera. Ich weise ihn zurecht, allerdings vorsichtig - vielleicht gehört er ja auch zu den Grenzbeamten. Tatsächlich ist er vom Zoll, wie der Immigration Officer erklärt. Zusammen mit einem uniformierten Zöllner beginnt er nun, ganz offiziell auch die anderen Packtaschen zu durchsuchen, und da die beiden gleichzeitig an verschiedenen Packtaschen arbeiten wollen, wird es schwierig, den Überblick über meine Sachen zu behalten.
Als der uniformierte Zöllner abschließend meine Personalien in ein Buch einträgt, setzt sich der Zivile neben mich und rückt ganz nah herbei. Er ist alkoholisiert. "You have to give me something!" fordert er leise. "You have to give me something!" Der andere bleibt korrekt.
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