Yangon, Myanmar, 14.12.2003 (57383 Kilometer)
Wenn wir in einem Ort für eine Mahlzeit oder eine Teepause haltmachen, werden oft die Dorfchefs herbeigerufen, die sich nur allzu gern zu uns gesellen. Sie sprechen sehr gutes Englisch, manche von ihnen sind zu Zeiten der englischen Besatzung in Missionsschulen unterrichtet worden. Einer der Männer erzählt, sie hätten damals in der Schule ausschließlich Englisch sprechen dürfen. Wer dagegen verstieß, mußte 10 Pya Strafe zahlen. Gäbe es die Untereinheit des Kyat noch, wären das heute 1/50stel Pfennig, damals bekam man dafür aber immerhin ein einfaches Frühstück.

Beim Austausch unserer Adressen wundern sich die Dorfchefs meist, daß ich kein Haus in Deutschland besitze, sondern ihnen nur eine Postfachadresse hinterlassen kann. Ich versuche, das zu erklären, aber so ganz scheinen sie nicht zu verstehen, daß Häuser und Wohnungen in Deutschland kaum erschwinglich sind und daß sie auch aufwendiger gebaut werden, fast für die Ewigkeit. Und daß Bambushütten wegen der Klimaschwankungen in Deutschland nicht unbedingt geeignet sind. - EMail-Adressen können wir auch nicht austauschen, denn sie haben keine. Internet ist in Myanmar nahezu nichtexistent; in kleineren Orten gibt es überhaupt keine Internet-Cafes, und wenn man in einer Großstadt eines auftut, so stößt man auf weitreichende Restriktionen. Sämtliche Dienste wie Hotmail, Yahoo usw. sind abgeblockt, auch viele andere Internet-Seiten. Myanmar ist diesbezüglich auf dem Stand Chinas vor wenigen Jahren. Selbst heute noch sind auch in China ganze Zweige des Internets ausgeblendet (z.B. geocities), jedoch bröckelt dort die Zensur.
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