Ruili, China, 17.11.2003 (56142 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10   Mustererkennung

Die faltige Landschaft Südchinas fordert nicht nur den Radfahrer, sondern auch die Menschen, die sich hier angesiedelt haben. Wo immer es sich lohnte, haben sie im Laufe von Generationen die Berghänge terrassiert. Sie arbeiten auf ihren Feldern mit der Hand, gepflügt wird mit dem Ochsen. Daß sie keine Maschinen verwenden, mag hier an der geringen Größe der terrassierten Parzellen liegen. Aber auch auf großen Feldern in den Tälern sieht man nur ganz selten motorisierte Geräte. Statt dessen zahllose Menschen, die mit ameisenartiger Geduld ihrer Arbeit nachgehen.




Beim Straßenbau das gleiche: Gleich zehn Arbeiter werden auf ein einzelnes Schlagloch angesetzt. Zwei weiten es mit Spitzhacken zu einem Rechteck aus, die meisten anderen hämmern derweil Steine in Form und füllen dann damit das Schlagloch paßgenau aus. Die Fugenfüller bringen Sand und Erde herbei, um die Zwischenräume zwischen den Steinen zu schließen. Ein paar Wochen lang wird man den Verkehr darüber rollen lassen, damit sich das ganze setzt. Dann werden die Arbeiter mit einer Tonne Teer wiederkommen, sie oben öffnen und unten ein Holzfeuer anzünden. Mit dem kochenden Teer können sie ihre Arbeit an diesem Schlagloch beenden.

Jeder Betriebswirtschaftler würde sich die Haare raufen, wenn er sich das anschauen müßte. Der Volkswirtschaftler mag es schon anders sehen: Vielleicht ist es besser, viele Leute zu beschäftigen, damit sie sich und ihrer Familie wenigstens das Brot verdienen können, als einigen wenigen Menschen den Kauf eines Autos zu ermöglichen, den Rest des Volkes aber abgleiten zu lassen. - Genau an dieser Weggabelung scheint China just in diesen Jahren zu stehen.

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