Ruili, China, 17.11.2003 (56142 Kilometer)
Selbst mit dieser chinesischen Karte bleibt die Orientierung noch schwierig. Die ohnehin seltenen Wegweiser schildern nämlich typischerweise einen unbedeutenden Vorort der Stadt aus, in der man sich gerade befindet, aber nicht etwa die nächste größere Stadt. Solche Vororte sind auf der Karte natürlich nicht verzeichnet. Falls China eines Tages die Herrschaft über Bayern gewinnen sollte, wird man auf der Autobahn bei Erlangen nur noch Wegweiser nach Tennenlohe finden und keinen einzigen mehr nach München.
An der Breite der Straßen kann man sich in China auch nicht orientieren - das war die Lehre der Fahrt durch die Hügel westlich von Kunming. Daß viele Städte in Yunnan zwei völlig verschiedene Namen haben, macht die Sache nicht gerade einfacher. Das ganze kann frustrierend sein, zugleich aber auch ein kleines Abenteuer.

Zwischen Kunming und Lijiang führt die Straße wieder durch Hügel und Berge. Es geht entweder bergauf oder bergab. Da der Asphalt rauh ist und zusätzlich bremst, außerdem die Dämmerung früh einbricht, schaffe ich manchmal nur mit Mühe 100 Kilometer am Tag. Aber immerhin ist jeder Tag für mich ein paar Minuten länger als 24 Stunden, weil die Reise Richtung Westen geht, in Richtung der untergehenden Sonne. Ganz China ist übrigens offiziell nur eine einzige Zeitzone. Aufgrund seiner geographischen Ausdehnung müßte es eigentlich in drei bis vier Zonen eingeteilt sein. Das führt dazu, daß ganz im Westen, an der Grenze zu Tajikistan, im Winter die Sonne erst gegen halb elf aufgeht, während Peking bereits um kurz nach sieben das Tageslicht sieht.
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