Ruili, China, 17.11.2003 (56142 Kilometer)
Das kleine, familiäre Konsulat, untergebracht in ein paar Zimmern des Camellia Hotels, war der einzige Grund, die vielen Hundert Kilometer Umweg nach Kunming zu radeln. Auf gut Glück bin ich ganz im Süden, in Jinghong, gestartet, mit dem guten Gefühl, daß die Angelegenheit nach den langen Verhandlungen in die entscheidende Phase gekommen war. Vielleicht zehn Tage hätte ich in Kunming auch noch auf Grünes Licht aus Myanmar gewartet, mich dann allerdings auf den Weg nach Tibet gemacht, hätte die Ausweichroute eingeschlagen, die im weiten Bogen um Myanmar herum nach Nepal und Indien führt.

Nun ist das Grüne Licht aus Myanmar also da. In den Monaten der Ungewißheit habe ich unterdessen auch so viele Informationen über Tibet gesammelt, die neugierig machten auf dieses weite Land 4000 Meter über dem Meer, daß nun ein bißchen Wehmut aufkommt. Auch Tibet hätte ich gern gesehen. Vielleicht werde ich eines Tages zurückkehren, um die Reise über das Dach der Welt nachzuholen. (Herzlichen Dank an dieser Stelle an Hendrik Schurer, der mir gute Tips zu China und Tibet gegeben hat.)
Doch so spannend eine Reise durch immer noch Tibet sein mag, das Land ist inzwischen touristisch erschlossen, und auch eine ganze Menge Reiseradler sind dort schon unterwegs. Myanmar überland ist hingegen so etwas wie eine Pioniertat. Seit über 40 Jahren ist kein Radler mehr diesen Weg gegangen. Die Militärregierung, die 1962 die Macht in dem Land übernahm, das damals noch Burma hieß, isolierte sich in den ersten Jahren praktisch vollkommen von der Außenwelt, und so verblich die Weltkarte zwischen Indien und Südostasien: Es entstand ein Weißer Fleck.
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