Dali, China, 01.11.2003 (55641 Kilometer)
In die Kategorie "ziemlich unappetitlich" fällt auch das unablässige Rotzen und Spucken. Zur Reinigung des Körpers gehört in China, den Rachen ständig freizumachen vom Schleim. Der landet auf den Straßen und Gehsteigen und trocknet dort nur langsam. Man muß aufpassen, wo man seinen Fuß aufsetzt.

Die große Rachenreinigung beginnt ganz früh am Morgen. Erst krähen die Hähne, gleich danach ertönt aus den Gärten und Gassen das röchelnde Geräusch der Menschen, die ihren Schleim fast aus den Lungen hervorholen. Und dann wird ausgespuckt. Das ist nicht etwa das rauhe Privileg der Männer, die hübschesten Frauen spucken öffentlich um sich - es ist unglaublich sexy.
Im Allgemeinen bemühen sich die Leute sehr wohl, dich beim Spucken nicht zu treffen. Das geht jedoch nicht so weit, daß sie sich vorher in alle Richtung umschauen. Wenn du einen Fußgänger überholst und der gerade wieder seinen Rotz tief aus dem Rachen hochzieht, schreckst du unwillkürlich zurück, als würde jemand den Hahn eines Revolvers spannen. Allen Ernstes: Für mich ist es kein Wunder, daß SARS weltweit vor allem in den chinesischen Kommunen grassierte.
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