Dali, China, 01.11.2003 (55641 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Hornissen und Hühnerfüße

Wie ein Weißer ißt, scheint besonders spannend zu sein. Wird er mit den Eßstäbchen zurechtkommen? Manchen geht es nicht schnell genug, wie ich mit den Stäbchen hantiere, oder sie finden, daß ich mich zu ungeschickt anstelle. Dann rufen sie dem Besitzer der Eßstube zu, er solle doch einen Löffel bringen. Zwar bedanke ich mich stets höflich, arbeite aber trotzdem mit den Stäbchen weiter. Erstens esse ich immer langsam, zweitens sind die Stäbchen wesentlich vielseitiger als die dicken, plumpen Porzellanlöffel. Den abgefallenen Kopf einer fritierten Hornisse etwa kann man eigentlich nur mit den Stäbchen aufgreifen (die Hornissen hatte ich versehentlich bestellt; als man mich durch die Küche führte, deutete mein Finger auf etwas, das aussah wie Shrimps; erst als der Teller vor mir auf dem Tisch stand, sah ich die Flügel; im Geschmack kommen die Hornissen den Heuschrecken in Afrika nahe, und die erinnerten an Shrimps - so gesehen lag ich mit meiner Wahl in der düsteren Küche gar nicht so daneben). Drittens möchte ich mit den Stäbchen üben, denn es könnte vielleicht doch einmal der Tag kommen, an dem mich niemand beim Essen beobachtet und nach einem Löffel ruft.



Mmh, lecker: Hühnerfüße!

Mitunter rücken die Zuschauer so nahe, daß ich sie füttern könnte, ohne mich vorzubeugen. Aber natürlich sind sie nicht hungrig. Sie wollen wirklich nur sehen, wie ich esse. Bestimmt wundern sie sich auch, wie lautlos das abgeht. Und daß ich nicht direkt über der Schüssel hänge und den Reis mit den Stäbchen in den Mund schaufele, wie die Chinesen es tun. Ihre flinken, schleifenartigen Bewegungen dabei mögen durchaus elegant sein, die Eßsitten an sich sind für europäische Augen und Ohren aber eher abstoßend.

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