Kunming, Laos / China, 15.10.2003 (54817 Kilometer)
Ich radele auf der Schotterpiste nach Luang Nam Tha so vor mich hin, träume vor mich hin, es geht bergauf, ich bin langsam. Die über einen Meter lange braune Schlange, etwas dicker als ein Daumen, sehe ich erst, als sie bereits die Lücke zwischen dem Vorder- und dem Hinterrad anvisiert hat. Sie ist keinen Meter mehr entfernt. Sofort ziehe ich beide Füße hoch und rolle nur noch sehr langsam weiter. Das reicht der Schlange beinahe, ungeschoren durch die Lücke zu gleiten, aber der Schwung des Rades ist doch groß genug, daß der Hinterreifen sie auf ihrem letzten Viertel überrollt. Mehr sehe ich in diesem Moment nicht, weil die Packtasche den Rest der Schlange verdeckt. Sie scheint aber nicht auf Rache aus zu sein. Nach ein paar Pedalumdrehungen schaue ich mich um. Schlange tot? Oder das Hinterteil abgetrennt? Nichts dergleichen - Schlange inklusive dem hinteren Viertel verschwunden.
Nur noch 30 Kilometer sind es von hier bis zur chinesischen Grenze. Die Straße wird immer schmaler, wieder kommt dieses Sackgassen-Feeling auf. In der Tat ist dieser Grenzübergang erst seit wenigen Jahren für Ausländer geöffnet, und es ist bisher der einzige zwischen Laos und China.

Die zwei Kilometer durch das Niemandsland fahren kleine Minibusse. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln reist, fährt bis kurz vor die Grenze, marschiert zur laotischen Immigration, steigt dann in einen Minibus, der den Klienten durch das Niemandsland fährt. Nachdem die chinesischen Formalitäten erledigt sind, geht es mit einem chinesischen Bus weiter nach Norden.
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