Vinh, Vietnam, 23.08.2003 (52344 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8   Hohe Hotels und laute Laster

Während in Bangkok die Traveller praktisch ganz unter sich sind, macht das städtische Elend vor den Backpacker-Gassen in Saigon nicht halt. Jeden Tag kommt der Mann ohne Beine vorbei. Er hat ein dickes schwarzes Leder unter die Hüfte gebunden und schleppt sich auf Händen durch die Gassen; Holzklötze mit Griffen schonen seine Hände. Er setzt die Holzklötze vor sich auf, neigt sich nach vorn und macht einen "Schritt", setzt mit dem Sitzleder auf, zieht die Holzklötze nach. So kommt er an die Tische, die vor den Kneipen stehen, und blickt bittend zu den Gästen herauf wie eine stumme Katze.

Dieser Mann sieht die Welt aus einer Höhe von 70 Zentimetern. Ganz aus der Froschperspektive sieht sie der mit den kindergelähmten Beinen. Er liegt auf einem Rollbrett, auf das man sonst Möbel hebt, um die im Zimmer zu verschieben. Die nutzlosen Beine hat er über den Rücken geworfen, die Hände mit Badesandalen bewehrt - so zieht er täglich, auf dem Rollbrett liegend, durch die Gassen dieses Bezirks.




Frauen und zum Teil auch Kinder laufen mit einer Auswahl von Reiseführern und Romanen von einer Kneipe zur nächsten. Sie schnüren die Bücher zu einem hohen Stapel zusammen, den sie auf der Hüfte tragen, wie eine Mutter ihr Kleinkind trägt. Doch die Bücher wiegen gut zwanzig Kilo. Mit dieser Last und S-förmig gekrümmt, laufen sie den ganzen Tag umher. Auch Mädchen, die gerade erst 12 Jahre alt sein mögen - ihre Büchertürme sind allerdings etwas kleiner.

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