Jakarta, Indonesien, 1.5.2003 (45403 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8   Insel der Vulkane

Zwischen Reisfeldern hindurch fahre ich auf palmengesäumten Straßen nördlich um Bali herum. Im Westen tauchen dann mehr und mehr Moscheen auf. Die Balinesen sind zwar überwiegend Hindus, doch hier macht sich die Nähe zum moslemisch dominierten Java bemerkbar. Es ist ein Freitag, aus den Lautsprechern vieler Minaretts tönt der Singsang der Muezzins. Trotz der drückenden Hitze überzieht mich plötzlich Gänsehaut. Seit langer, langer Zeit höre ich die Koransuren zum ersten Mal wieder. Erinnerungen an den Beginn der Reise kommen hoch, als ich bald nach dem Start auf dem Balkan die ersten Moscheen sah und unzählige weitere auf dem Weg durch die Türkei, Syrien, Jordanien, Ägypten und über die Arabische Halbinsel. Fast drei Jahre ist das nun her.




Indonesien ist übrigens das Land mit den meisten Moslems überhaupt auf der Erde. Rund 190 der 216 Millionen Indonesier bekennen sich zum Islam. Wegen der Vorgänge im Irak habe ich mich bereits gefragt, was mich auf Java wohl erwarten wird. Werde ich vor mir herbrüllen müssen, daß ich kein Amerikaner bin? In Gilimanuk, dem Städtchen, in dem die Fähren nach Java ablegen, sagt eine Balinesin: "Bali ist gut. Java nicht. Krieg, Moslems, Amerikaner."

Doch auch auf der anderen Seite der "Bali Strait" gibt es fast nur freundliche Reaktionen. Die meisten winken und grüßen fröhlich. Einige grölen geistesdumpf, aber meistens kommt das übliche "Hello Mister!" freundlich rüber. Zwei merkwürdige Dinge passieren allerdings gleich am ersten Tag: Ein LKW-Fahrer beschimpft mich heftig aus dem Seitenfenster heraus. Was für Probleme er hat, verstehe ich nicht; sicher ist nur, daß es nichts mit genommener Vorfahrt oder ähnlichem zu tun hat. Und ein Mann deutet aus einem vorbeifahrenden Bus an, daß man mir den Hals abschneiden wird. Oder er will das gar selber erledigen. - Bei der allgemein herrschenden Stimmung habe ich jedoch nicht den Eindruck, daß wirklich so etwas zu befürchten ist.

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