Candidasa, Indonesien, 09.04.2003 (43785 Kilometer)
Am nächsten Morgen gelang es Greg, den Meerwasserentsalzer zu reparieren, so daß wir die Frischwassertanks wieder füllen konnten. Das Team hatte sich eingespielt. Tagsüber übernahm das Steuer, wer gerade an Deck war, die Nachtwachen waren kurz, da sie auf sechs Personen verteilt werden konnten.
De facto verteilten wir sie allerdings auf fünf Leute, denn dem übermüdeten Phil traute keiner mehr so recht. Daß er gern während der Wache einschlief, lag nicht nur an Bier und Gin, sondern auch daran, daß er oft stundenlang am Computer saß, um über Kurzwelle Wetterfaxe einzufangen und um auf dem GPS-Schirm die Route zu kontrollieren. Dabei war Nervosität nach dem dritten Tag eigentlich unbegründet, da wir aus der zyklongefährdeten Gegend heraus waren. Und wir hatten inzwischen auch meist Land in unserer Nähe: die ostindonesische Inselkette Nusa Tenggara.

In der Nacht zum siebten Tag kommt Bali in Sicht. Wir verzögern die Fahrt, um nicht in der Dunkelheit in den Hafen manövrieren zu müssen. Kurz nach Sonnenaufgang legen wir die letzten Seemeilen zurück. Viele Fischerboote und kleine Kutter sind unterwegs. Die Ufer der Insel sind palmenbestanden, die Luft ist feucht, was man sehen kann und was wir besonders spüren, nachdem wir angelegt haben und der frische Fahrtwind ausbleibt.
Als die Einreiseformalitäten abgeschlossen sind, verabschiede ich mich von den anderen. Sie werden in wenigen Tagen zur zweiten Etappe nach Singapore aufbrechen, wo die Yacht ihrem Besitzer übergeben werden wird. Ich fahre nach Kuta, um dort auf Hans und Roswitha zu warten, die mich demnächst zum dritten Mal während meiner Reise besuchen werden.
Gleich auf den ersten Metern auf Balis Straßen zeigt sich, was für ein krasser Kontrast zwischen dem leeren Outback-Australien und Indonesien herrscht. Dort drüben begegnet dir alle halbe Stunde mal ein Fahrzeug, hier surren Mopeds und Motorräder wie Bienen umher, Autos quälen sich durch die verstopften Straßen der Orte, die zwar unterschiedliche Namen haben, aber eigentlich ein riesiges zusammengewachsenes urbanes Gebilde "Südostbali" sind. Die mehr als 200 Millionen Menschen Indonesiens leben am dichtesten zusammengedrängt auf Java und Bali.
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