Candidasa, Indonesien, 09.04.2003 (43785 Kilometer)
Seit ein paar Tagen habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Während der sechstägigen Segelreise von Australien nach Bali war das Wetter zwar gnädig gewesen, aber Aufregung gab es trotzdem.

Es war mitten in der Nacht, als ich in meiner Koje durch die Unruhe an Deck geweckt wurde. Das Boot steuerte geradewegs auf eine Ölplattform zu, die unbeleuchtet in der Timorsee zurückgelassen worden war. Phil war bei seiner Wache eingeschlafen, und er muß tief geschlafen haben, denn auf dem Radar war die Plattform natürlich schon lange zu sehen.
Ausgerechnet Phil, der autoritäre Captain. Er wischte jede Fußspur auf dem weißen Deck hinter einem weg, er war zur Stelle, wenn man nicht sofort nach der Toilette die Wasserpumpe wieder abstellte. Aber er selbst war es, der gleich in der ersten Nacht die Wasserpumpe abzustellen vergaß, so daß wegen einer undichten Klospülanlage am nächsten Morgen der Frischwassertank leer war.
Die Entsalzungsanlage, die ich bis dahin für den puren Luxus gehalten hatte, hätte nun ihre Existenzberechtigung bekommen. Aber sie funktionierte nicht. Wir wuschen uns mit Meerwasser, kochten mit Meerwasser, reinigten das Geschirr mit Meerwasser. Zu trinken gab es Cola, Bier und Gin. Ich glaube, der Gin war Schuld für den langen Schlaf des Captains in dieser zweiten Nacht. Wäre Ed nicht aufgewacht, wären wir gegen die Plattform gedonnert oder vielleicht mit Glück untendurch gefahren, falls wir mit dem hohen Mast wirklich drunterdurch gepaßt hätten. Mit Müh' und Not konnten wir rechtzeitig die Segel umsetzen und links an dem dunklen Metallkoloß vorbeisteuern. Wenige Minuten später lag er hinter uns und war schon wieder Vergangenheit.
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