Candidasa, Indonesien, 09.04.2003 (43785 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Kuta - ein halbes Jahr danach

An der blauen Wellblechwand in Kuta lehnen seit heute wieder frische Blumengebinde. Etwa fünfzehn Sträuße sind schon am frühen Morgen im Andenken an die Opfer des Bombenanschlages vom 12. Oktober abgelegt worden. Hinter der Blechwand stand bis zum Herbst der Sari Club, jetzt liegen dort nur noch ein paar Schuttberge herum. Gegenüber ebenfalls ein freier Platz - wo ehemals Paddy's Pub Partys feierte. Die benachbarten Gebäude werden repariert und renoviert, überall hört man das Klopfen von Hämmern und das Kreischen von Bohrmaschinen.



Kuta, wo einst der Sari Club stand.

Ab und zu bleibt ein Tourist stehen, um die Gedenkworte auf dem langen weißen Tuch über den Blumen und Kreuzen zu lesen. Die zahllosen Straßenhändler klagen, daß seit dem Anschlag das Touristenaufkommen nur noch bei zehn Prozent des üblichen liegt. In den Souvenier-Shops verkaufen sie T-Shirts mit dem Aufdruck "Bali Cry" und "Fuck Terrorist".

Plötzlich sind zwei Kameramänner da. Sie halten ihre Objektive in eine Seitengasse, aus der ihnen eine Gruppe Behinderter entgegenkommt. Einige bewegen sich mühsam auf Krücken vorwärts, andere hinken, ein Mädchen hat den rechten Arm verloren. Die jungen Leute im Alter zwischen 20 und 35 versammeln sich schließlich an der Stelle, wo Paddy's Pub stand. Sie bilden einen Kreis, senken die Köpfe und halten inne. Jeder von ihnen trägt an Schultern, Armen oder Beinen hautfarbene Bandagen, die ihre Verbrennungen verbergen. Aus dem Zentrum des Kreises filmt ein Kameramann die Gesichter ab, der andere nimmt die Szene von außen auf.

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