Kuta, Timorsee, 20.03.2003 (43603 Kilometer)
Als wir Herrn Peter Adamson in seinem Amtszimmer gegenübersaßen, berichtete Yves, daß die "Lionheart" mit internationaler Crew nach Bali segeln werde. Dort würden wir (er sagte "wir") ein Monument für die Opfer des Bombenanschlags von Kuta errichten. Ich konnte in diesem Moment natürlich kaum widersprechen, weil das ja geklungen hätte, als wären mir diese Terroropfer egal. Aber auch der Bürgermeister wunderte sich offensichtlich, warum ausgerechnet ein Franzose und ein Deutscher dieses Monument bauen wollten. Als Yves dann auf das Thema "finanzielle Unterstützung" zu sprechen kam, würgte Herr Adamson die ganze Sache recht zügig ab: "Es gibt bereits Pläne auf offizieller Ebene, der Opfer in angemessener Weise zu gedenken." Daneben habe er keine finanziellen Mittel frei.
Aber Yves gab nicht auf. Mit der Visitenkarte, die ihm der Bürgermeister gegeben hatte, zog er durch die verschiedenen Banken von Darwin und versuchte auch, Firmen als Sponsoren für sein Monument zu gewinnen. Er sammelte Geld bei der Moslemgemeinde und brachte die Direktion des Novotels dazu, zwei Übernachtungen in einem teuren Doppelzimmer als Hauptgewinn einer Lotterie zu spenden, die Yves in dem Hotel veranstaltete. Die Sammlung bei den Moslems brachte 200 Mark, die Lotterie war offenbar ein peinlicher Reinfall. Jedenfalls kam Yves an jenem Abend etwas niedergeschlagen vom Novotel zum Hafen zurück. Aber er hatte noch ein Eisen im Feuer: BP würde eventuell Diesel für die Yacht im Wert von 600 Mark zur Verfügung stellen.

Zwei Tage vor dem Aufbruch bat Phil um Yves' Unkostenbeitrag für die Überfahrt (im Gegensatz zu meiner Überfahrt von Kapstadt nach Recife war dieser Trip nicht kostenlos). Für Yves' Passage bis nach Singapur waren 500 Mark fällig. Jetzt stellte sich plötzlich heraus, daß der Franzose überhaupt nicht zahlen konnte. Er verwies auf den erhofften Deal mit BP, er werde mit dem Diesel zahlen. - Yves war offenbar total abgebrannt!
Tatsächlich tauchte am nächsten Morgen der Chef von AFD auf, den "Australian Fuel Distributors". Das Boot wurde aufgetankt, und Yves blieb weiterhin an Bord. Erst ein paar Tage nach unserem Aufbruch sollte in der größten Zeitung von Darwin ein Artikel erscheinen, der über Yves' dubiose Spendensammlung berichtete.
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