Moss Vale, Australien, 1.12.2002 (38435 Kilometer)
Frühstück gibt es stets genau um halb neun. Wenn jemand verschläft, ruft der Steward in der Kabine an. Das scheint allerdings nur bei mir nötig zu sein, denn die anderen Passagiere haben einen konservativen Tagesrhythmus. Jan macht bereits um sechs Uhr seinen täglichen Morgenspaziergang. Der führt von dem Aufbau mit den Kabinen links an der Containerladung vorbei, hinauf auf das Vorschiff, um die schweren Stahlseilwinden herum und auf der anderen Seite der Container wieder zurück - ein Marsch von etwa zehn Minuten, wenn man nicht zu schnell geht.

Jan stammt aus Flagstaff in den USA. Ein kräftiger, gutaussehender Mann, den ich bei unserer ersten Begegnung auf Ende 40 schätzte. Als er mich mit kräftigem Handschlag begrüßte, versank meine Hand in seiner riesigen Pranke. Da er dann später erwähnte, daß er seit sechs Jahren in Rente ist, fragte ich nach seinem Alter: Er wird demnächst 60.
Jan war Feuerwehrmann und hat immer relativ sparsam gelebt, vor allem keine Schulden gemacht, was in den USA ja eher ungewöhnlich ist. Als er 54 war, hat er sich ausgerechnet, daß ihm seine Pension ausreicht. Er wollte die Zeit jetzt genießen und nicht warten, bis er nicht mehr reisen kann. Ein Freund von ihm hatte gerade einen Schlaganfall gehabt, der ihn halbseitig lähmte, ein anderer erblindete innerhalb eines Jahres.
Auch Jan ist im Osten der USA auf das Schiff zugestiegen. "Ich bin froh, daß ich das wirklich getan habe. Während der 30 Tage an Bord hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und konnte noch einmal ein paar Phasen meines Lebens intensiv durchleben."
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