Otaki, Chile, 4.10.2002 (35863 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   One way

Solche Lösungen halten entweder nur ganz kurz oder ewig. Die Gastspeiche würde vielleicht dem Seitenzug nachgeben; bei der Ersatzspeiche mochte sich der Bogen am Speichenkopf öffnen, da er ja nicht von einem umschließenden Flansch gehalten wurde. Zunächst kontrollierte ich die neuralgischen Punkte alle zehn Kilometer, dann nur noch am Ende eines Fahrtages, schließlich gar nicht mehr. Die Improvisation hat 1000 Kilometer lang gehalten, wahrscheinlich könnte ich auch noch weitere 5000 Kilometer damit fahren.

Natürlich hatte ich sofort aus Chañaral Rohloff kontaktiert. Da auch die Hinterradfelge erste feine Risse an den Nippellöchern aufwies, bat ich neben dem Nabengehäuse zugleich um eine neue Felge. Nur wenige Tage später - nachdem die Formalitäten abgeklärt waren - machte sich das neue Hinterrad auf die Flugreise nach Santiago de Chile.



Am Wendekreis des Steinbocks in Chile.

Um das Getriebe umsetzen zu können, muß ich nun das Ritzel am alten Hinterrad abziehen lassen. Durch rechtwinklig verlaufende Straßen marschiere ich in den Bezirk, wo sich die vielen Fahrradläden konzentrieren. Die meisten verkaufen nur. Eine schummerige Werkstatt findet sich in einer Nebengasse. Dort stellt ein "Maestro" seine Literpackung Wein beiseite und legt die Kettenpeitsche um das Ritzel. Daß ER der Maestro ist, betont er mit verärgerter Stimme, nachdem ich ihn darauf hinweisen muß, daß das Ritzel in der anderen Richtung abzuziehen ist. Die Kettenpeitsche gleitet einmal ab, einmal reißt sie. Der dritte Versuch ist erfolgreich. Drei Mark wechseln den Besitzer. Es wäre wohl nur eine Mark gewesen, hätte ich nicht die Kompetenz des Maestros in Frage gestellt.

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