Otaki, Chile, 4.10.2002 (35863 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   One way

Santiago ist hektisch. Besonders, wenn man aus der Atacama-Wüste kommt. Schwadronen von Bussen rasen dreispurig durch die Stadt, mit einem Tempo, daß einem die Ohren flattern. Durch die Kräfte der beschleunigenden und stoppenden Busse ist der Asphalt im Zentrum wellig geworden. Stur fahre ich auf der mittleren der drei Buckelpisten dem Stadtzentrum entgegen, denn rechts wird man ständig ausgebremst. 'Sie werden dich nicht totfahren', beruhige ich mich, 'jedenfalls nicht absichtlich'.




Die Hektik setzt sich in der Fußgängerzone fort. Ein unglaubliches Gedränge dort, alle paar Meter hat man einen Beinahezusammenstoß mit einem anderen Passanten. Aber immerhin gibt es hier überhaupt Fußgängerzonen, auf denen man diesem wahnsinnigen Autoverkehr ausweichen kann.

An den Häuserecken stehen Männer, die allen möglichen Kleinkram verkaufen - von der billigen Quarzuhr über Haushaltswaren bis zur losen Radioantenne. Während ihrer langen Arbeitszeit verwandeln sie sich freiwillig in Eunuchen, um mit erzwungen hoher Stimme erfolgreich den Lärm zu durchdringen, auf sich aufmerksam zu machen und ihre Waren anzupreisen. Vor ihnen sitzen auf dem Straßenpflaster alte Frauen mit Sammelbechern, vor sich ein Bild ihres Ehemannes, der zu Zeiten des Pinochet-Regimes verschwunden ist.

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