Santiago de Chile, Chile, 18.09.2002 (35068 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Durch die Atacama-Wüste

Da die Küstenstraße nach schweren Regenfällen in den letzten Wochen an einigen Stellen weggespült wurde, muß ich wieder emporklettern zur Ruta 5 Norte, einem Abschnitt der Panamericana, der auf der Hochlandstufe 1000 Meter über dem Meer durch die Atacama-Wüste verläuft. Dort oben scheint wieder die Sonne, doch die Temperaturen sind jetzt - im Winter - erträglich.



Der Friedhof der Ex-Oficina Santa Isabel.

Meine Landkarte lügt weiterhin. Schon in den Andengebieten hat sie gelogen, hat Orte vermerkt, die inzwischen vollkommen verlassen sind. Das war zu verzeihen, da die Flucht der Einwohner in die Städte am Fuße der Anden eine Entwicklung der letzten Jahre war. Warum aber sind in der Karte auch die Geisterorte in der Wüste eingetragen, die schon Mitte des letzten Jahrhunderts aufgegeben wurden? All diese "Oficinas", die Minenorte, aus denen die Menschen fortzogen, sobald die Nitratvorkommen ausgebeutet waren?

Ein Vorbote für diese Kartierungsfehler ist die Oficina Victoria, ein Ort, der nur aus einer Tankstelle und ein paar kleinen Restaurants besteht. Dieses Nest mit seiner Wildwest-Atmosphäre wirkt wesentlich größer als es ist, denn rechts - wenn man von Norden kommt - steht hinter dem belebtesten Restaurant eine lange Häuserfront, die sich bei genauem Hinsehen jedoch als Attrappe erweist. Eine Fassade, gestützt von vielen Balken, damit sie nicht nach hinten wegkippt. Als sei hier vor kurzem ein Film gedreht worden. Hinter der Fassade ist nichts als Luft und Sand und Gestein der Atacama-Wüste.

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