Valparaiso, Chile, 04.09.2002 (34926 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6   Aufgegeben

"Wie weit ist es denn bis Huasco?" - "Etwa 80 Kilometer." - "Ist die Piste sandig?" - "Ein bißchen." - "Wellblech?" - "Etwas." - "Geht es viel auf und ab?" - "Wenig."

80 Kilometer in sechs Stunden - das geht nur, wenn die Piste wirklich keine Schwierigkeiten bietet. Doch sie erweist sich als sandig mit langen Wellblechpassagen. Viel auf und ab geht es allerdings wirklich nicht - sondern bald hinter Cancosa nur noch aufwärts. Schier endlos windet sich der Weg einen Berg hinauf. Der Untergrund ist so sandig, daß ich das Rad schließlich nur noch zerre und reiße. Die dünne Höhenluft macht alles nicht einfacher. Nachdem ich 300 Höhenmeter geschafft habe und immer noch kein Ende abzusehen ist, beschließe ich, zurück nach Cancosa zu fahren, um dort zu übernachten.



Viele Dörfer im Andenhochland haben mehr Häuser als Einwohner.

Wie schon am Mittag ist auch jetzt niemand auf der Straße zu sehen. Als die Suche nach einer Herberge erfolglos bleibt, fahre ich wieder zu den beiden Grenzern. Die laden mich ein, im Nebengebäude zu übernachten. Als ich nach einem Lebensmittelgeschäft frage, kommt die Wahrheit über Cancosa heraus: "Ein Geschäft oder ein Restaurant gibt es hier nicht. Außer uns beiden ist niemand da." - "Kehren die Leute im Sommer zurück?" - "Nein, sie sind fortgezogen. Nach Pica, Mamina und Pozo Almonte."

Auch Cancosa ist also aufgegeben. Ein Geisterort, der aber aussieht, als seien erst gestern alle abgehauen. Das neue Gemeindehaus, die renovierte Kirche, die vielen blitzeblanken elektrischen Straßenlaternen - das waren offenbar letzte Versuche der Regierung, die Bewohner doch noch oben im unwirtlichen Hochland zu halten.

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