Copiapó, Bolivien, 21.08.2002 (34131 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5   In Seenot auf dem Salar

Dann taucht weit rechts im Osten ein Bus auf, der auf das Ufer zufährt. Dort scheint es also einen weiteren Ausgang zu geben. Vielleicht auch schützende Häuser? Ich drehe 90 Grad ab. Der Wind packt mich nun von links hinten und treibt das Fahrrad parallel zum Ufer. Doch plötzlich wird der Boden weich. "Der Uferbereich ist schlammig", hatten die Guides gesagt. Das Salz ist hier auch eher beige als weiß. Ab und zu sackt das Hinterrad kurz weg. Bloß nicht jetzt auch noch festfahren!

Also wieder ein Stückchen vom Ufer weg. Der Boden wird wieder fester, das Salz weißer. Dann, als der Bus schon längst in den Bergen jenseits des Salars verschwunden ist, entdecke ich Spuren, die mich schließlich im großen Bogen über einen festen Damm zum Ufer führen. Und dort gibt es tatsächlich ein Dorf - Palaya. Das ist die Rettung! Am Schluß war der Sturm so stark, daß ich das Zelt auf dem Salar gar nicht mehr auf die Beine gebracht hätte.



Wegen der Gefahr, auf schlammiges Terrain zu geraten, sind die Ausgänge im Nordwesten des Salars mit Steinpyramiden markiert.

Am nächsten Morgen geht es bei Windstille zurück auf den Salar. Und wieder vorbei an den "Häusern". Sprengungen gibt es heute nicht. Die Sehkraft ist inzwischen mit ihrer gewohnten Stärke zurückgekehrt, der Schmerz durch die Reizung wird allerdings noch ein paar Tage anhalten.

Über den anderen Ausgang steuere ich Llica an, das nur 12 Kilometer hinter dem Ufer liegt. Eine kleine Stadt oder ein großes Dorf. "Jetzt hast du's geschafft!" sage ich zu mir. "Bis zur chilenischen Küste ist es nun kein Problem mehr."

Doch Llica ist der letzte ernstzunehmende Ort auf dem Weg zur Küste. Leider ist mir das nicht klar. Schließlich sind auf der Landkarte auch Cancosa, Lirima, Collacagua und einige weitere Orte ebenso groß wie Llica eingezeichnet. Hätte ich gewußt, was da tatsächlich auf mich zukommt, hätte ich hier Lebensmitteln für vier Tage gekauft.


ENDE

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