Bella Vista, Bolivien, 3.08.2002 (33022 Kilometer)
Die stillgelegten Salzhotels liegen viel näher am Ufer, als von den Reiseführern behauptet wird. Dafür ist nun die Distanz von hier bis zum Tagesziel, der Isla Pescado, wesentlich größer. Es sind gute 60 Kilometer, die Insel wird noch immer von der Erdkrümmung verdeckt. Der Hausmeister des Museums weist mir die grobe Richtung. Sein Arm zeigt ins Nichts.
Anfangs sind viele Reifenspuren zu erkennen, die die Salzhotels in Richtung Westen verlassen, doch es werden immer weniger. Bald ist es nur noch eine einzelne Spur, der ich folge. An ihr klammere ich die Augen fest. Die verlangen übrigens nicht nach der neu erworbenen Sonnenbrille. Natürlich ist es hell auf dem Salar, aber auch nicht heller als beim Skilanglauf in der frischverschneiten Fränkischen Schweiz.

Dann überholt mich das erste Fahrzeug an diesem Morgen, der Geländewagen einer Reiseorganisation. Er stört die unendliche Stille auf dem See aber nicht, denn er überholt mit einem Abstand von etwa zwei Kilometern. Daß er so weit entfernt ist, macht mich nervös. Ich korrigiere den Kurs, kann aber die Spur des Autos nicht finden. Die Entfernungen sind einfach nicht abzuschätzen in dieser gegenstandslosen Weite. Vielleicht waren es auch drei Kilometer. Oder nur einer? Inzwischen ist der Wagen in der Ferne zu einem winzigen Punkt zusammengeschmolzen. Seine Fahrtrichtung ist nicht mehr auszumachen.
Nach zehn Minuten ein anderes Fahrzeug, wieder ein bis drei Kilometer weiter rechts. Ihm folgen in großem Abstand zwei weitere Geländewagen. Nach erneuter Kurskorrektur gelingt es mir, die drei Autos in eine Flucht zu bringen, bevor sie in der Weite unsichtbar geworden sind. Endlich habe ich die Richtung! Inzwischen sind mehrere bläulich gefärbte Hügel auf dem Salar zu erkennen, und auf einen davon fahren die Wagen zu. Das muß die Isla Pescado sein.
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