Cuzco, Peru, 29.06.2002 (31279 Kilometer)
Wer sich in Nazca in den Sattel schwingt, um die 660 Kilometer nach Cuzco zu radeln, der weiß, daß es bergauf gehen wird. Hinauf in die Anden. Wer allerdings glaubt, daß es mit 4000 Höhenmetern getan ist, der wird die Ohren anlegen. 4000 Meter Anstieg sind nämlich nur die Aufwärmübung - gleich auf den ersten 100 Kilometern hinter Nazca, die ununterbrochen bergauf führen. Was da genau bevorsteht, ist mir beim Aufbruch in Nazca selbst noch nicht klar.

Nach 25 Kilometern hole ich am Morgen Henk ein. Schon gestern hatte man mir in Nazca gesagt, daß ein weiterer Radler in der Stadt sei, der ebenfalls nach Cuzco fahren wolle. Man konnte mir sogar das Hotel nennen, in dem er wohnte, und wollte unbedingt den Kontakt herstellen. Aber ich mochte nicht hingehen, um irgendwelche großen Verabredungen mit ihm zu treffen. Wenn wir eine Wegstrecke zusammen radeln wollten, so sollte sich das lieber zufällig und zwanglos ergeben.
Henk ist 36 Jahre alt, lebt in Rotterdam und ist für einen fünfwöchigen Radurlaub nach Peru gekommen. Er will über Cuzco zum Titicacasee und weiter nach Arequipa radeln, um von dort über Lima wieder zurück nach Europa fliegen. Er ist übrigens erst der zweite Reiseradler, der mir in über sechs Monaten in Südamerika begegnet. In Brasilien hatte ich einen Kolumbianer getroffen, der mit seiner Tour den Kontinent umrunden wollte. Die meisten anderen Langstreckenradler scheinen sich aber mehr oder weniger an die Panamericana zu halten.
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