Cuzco, Peru, 29.06.2002 (31279 Kilometer)
Ich verlasse Lima auf dem Weg, auf dem ich vor einer Woche gekommen bin. Durch trostlose Küstenwüste geht es auf der Panamericana zurück nach Süden. Nach einigem Hin und Her habe ich mich entschieden, auf der Südhalbkugel zu bleiben und den Heimweg über Australien und Südostasien anzutreten. Mittel- und Nordamerika, Japan und China reizen mich weniger als die Südroute, und auch von der Jahreszeit her paßt es besser.
Seit dem Aufbruch vor fast zwei Jahren gab es für mich ausschließlich Tage mit nur 11 oder 12 Stunden Licht. In Europa, weil der Start auf den Spätsommer fiel, am Äquator, weil dort jeder Tag des Jahres in eine helle und eine dunkle Hälfte unterteilt ist, in Südafrika, weil es dort gerade erst Frühling wurde. Und in Südamerika bin ich nur zwischen Äquator und südlichem Wendekreis unterwegs gewesen. Einen Sonnenuntergang um neun Uhr kann ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen.

Die undurchsichtige Lage in Kolumbien spielte bei den Überlegungen zunächst auch eine Rolle. In vielen gutgemeinten Warnungen hatten mir Freunde abgeraten, das im Bürgerkrieg befindliche Land zu durchradeln. Doch je näher ich Kolumbien kam, desto mehr erinnerte mich das Ganze an die Situation vor der Einreise nach Montenegro und dann nach Albanien. Es gibt auch in Kolumbien Brennpunkte, die man meiden sollte, aber das Risiko scheint kalkulierbar.
Touristen werden offenbar verhältnismäßig selten zur Zielscheibe krimineller Handlungen. Einige Leute meinen sogar, daß Kolumbien für Touristen ungefährlicher sei als Ecuador und Peru, wo Reisende immer wieder gezielt überfallen werden. Kolumbien ist nun das Land, dem ich nach der Änderung der Route ein wenig nachtrauere. Aber man kann auf solch einer Reise eben nicht alles haben. Ich werde nach Chile radeln, um von dort mit einem Schiff oder per Flugzeug nach Australien oder Neuseeland zu gehen.
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