Cuzco, Peru, 29.06.2002 (31279 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7 | Seite 8 | Seite 9 | Seite 10   Zurück in die Anden

Ein Mann Mitte Dreißig sitzt auf einer Leitplanke am Ortsausgang von Lima, den Rücken dem Verkehr zugewandt, der über die Panamericana rollt. Von den Bussen und den schweren Lastwagen scheint er nichts wahrzunehmen, ebensowenig vom Dreck um sich herum, vom Unrat in der Wüste, den schäbigen Wellblechhütten der Vorort-Slums.

Er schützt sich mit einem Kopfhörer vor der Umwelt und starrt regungslos auf das Kreuz, das am Straßenrand für ein Verkehrsopfer errichtet worden ist. Für seine Frau? Für eines seiner Kinder? Vollkommen versunken sitzt er auf der kalten Leitplanke und starrt auf dieses Symbol dahingegangenen Lebens.



Slums an den Ausläufern von Lima.

Wie viele solcher Kreuze habe ich nicht auf den 1000 Kilometern zwischen Arequipa und Lima am Wegrand der Panamericana gesehen. Für ungezählte Menschen wurde die "Traumstraße der Welt" zum letzten irdischen Weg. Stets war klar, daß jedes Kreuz für ein verlorenes Menschenleben steht. Aber nie ging mir das so unter die Haut wie an diesem grauen Morgen, an dem ich Lima verlasse. Dieser einsame Mann inmitten von Abfall und Motorengedröhn vor diesem einen Kreuz, von dessen Art es doch so viele gibt - ein Bild ohne Ton in einer Welt voller Lärm.

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