Huacachina, Peru, 25.05.2002 (29614 Kilometer)
Bald hinter Poroy windet sich der Zug mit weiterhin schaukelnden Waggons in langen Kurven einen Berg hinauf. Plötzlich ein lautes, kreischendes Geräusch. Die Lok stoppt. Es hörte sich an, als habe sich ein Bremsbelag bei unserem Waggon festgefressen. Das Personal macht ein paar Hammerschläge am Chassis, danach geht die Fahrt weiter. Nun hört es sich nur noch so an, als schleiften die Bremsbeläge.

Nach einer halben Stunde erreichen wir die Kuppe und sehen unter uns das Lichtermeer von Cuzco. Ein Anblick, den wir lange genießen dürfen, weil sich unser Metallwurm jetzt sehr mühsam wieder ins Tal hinunterarbeiten muß. Der Berg ist auf dieser Seite so steil, daß die Gleise nicht in Kurven nach unten geführt sind, sondern im Zickzack! Der Zug fährt in ganzer Länge vorwärts über eine Weiche hinweg, dann rückwärts auf dem anderen Gleis hinab bis zur nächsten Weiche, von wo es nun wieder vorwärts auf das nächste Gleis weitergeht. Bis wir im Bahnhof aussteigen können, vergeht noch einmal fast eine Stunde.
Ein paar Tage später verabschieden sich Manfred, Roswitha und Hans von mir. Sie werden über Santiago de Chile zurück nach Deutschland fliegen. Wieder kommt bei mir diese Katerstimmung auf - wie auch die anderen Male, wenn die Besuchszeit lieber Verwandter oder Freunde zu Ende ging. Ganz plötzlich fühle ich mich allein. Es ist paradox: Würde ich nie Besuch haben auf dieser langen Reise, so würde ich mich auch nie einsam fühlen. Einsamkeit verspüre ich nur, wenn die Freunde wieder gehen.