Cuzco, Peru, 5.5.2002 (28681 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Lago Titicaca

Das Meerschweinchen sah aus, als sei es erst vor einer Viertelstunde von einem Auto plattgefahren worden: ein zweidimensionaler Körper mit abgespreizten Aermchen und Beinchen und vorn einem unversehrten dreidimensionalen Kopf. Und nach dem Unfall hatte man es auf den Grill geworfen. Genau so sah es aus.




Nun war es auf einem weißen Porzellanteller serviert worden. Während Manfred mit Messer, Gabel und Händen versuchte, das wenige Fleisch von den vielen kleinen Knochen zu zupfen, schaute der Meerschweinchenkopf mit den nadeldünnen Vorderzähnchen hinüber zu Hans. Man konnte sich leicht einbilden, daß der Blick vorwurfsvoll war. Als hätte er das Tier auf dem Gewissen. Ausgerechnet Hans, der mit einem panierten Fischfilet etwas bestellt hatte, was noch am wenigsten daran erinnerte, daß auch darin einmal Leben steckte. Roswitha und ich hatten Lama-Steaks auf dem Teller. Die sahen ebenfalls eher abstrakt aus.

Meerschweinchen, "Cuy" genannt, ist eine Spezialität im peruanischen Hochland. Die Tiere werden hier gehalten wie bei uns Stallhasen. Viel dran ist an so einem Meerschweinchen allerdings nicht. Während wir die Teller noch halb voll hatten, war Manfred mit seinem Experiment schon durch.

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