Puno, Peru, 24.04.2002 (28681 Kilometer)
Die Führung durch das Gefängnis übernimmt einer der Gefangenen. In meinem Fall ist es William, der seit acht Jahren wegen Drogenschmuggels einsitzt. In sechs Monaten soll er entlassen werden; dann will er in seine Heimatstadt Santa Cruz zurückkehren. Zu unserem Schutz - es gibt hier neben den vielen Drogenstraftätern auch eine ganze Reihe von Mördern - folgt ein paar Schritte hinter uns ein Leibwächter, ebenfalls ein Gefangener. William bemerkt aber, daß in San Pedro noch nie einem Besucher etwas passiert sei.

Zunächst kommen wir an einer kleinen Kirche vorbei. Dann führt mich William in das erste von sieben "Vierteln". Es ist quasi der Innenhof eines kleinen Häuserblocks mit einem kleinen Restaurant, in dem man auch alkoholische Getränke bestellen kann. Um den Hof herum reihen sich in zwei Stockwerken die Zimmer der Gefangenen. Neulingen in diesem Gefängnis wird nicht etwa eine Zelle zugewiesen - sie kaufen sich statt dessen eines dieser Zimmer und verkaufen es dann wieder, wenn sie entlassen werden. In diesem nobelsten der sieben Viertel kostet ein Zimmer mehrere Tausend Dollar. Die Insassen leben wie in Studentenbuden und besitzen meist Fernseher und Computer.
Geld verdienen die Gefangenen auf unterschiedliche Weise. William partizipiert ja am offenbar lukrativen Geschäft mit den Führungen. Andere stellen beispielsweise Spielzeug her, das Freunde außerhalb der Mauern auf dem Markt verkaufen. Dann gibt es die Restaurantbesitzer, Krämerläden und sogar einen Schreiner.
Wer mittellos in San Pedro landet, kommt in einem Schlafsaal unter und wird auch kostenlos verpflegt. Als Gegenleistung muß er aber die Drecksarbeit machen: Toilettenreinigung und Müllentsorgung.
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