Puno, Peru, 24.04.2002 (28681 Kilometer) Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7   Zu Gast im Knast

Weiter im Westen, auf dem Weg nach La Paz, mehren sich Kartoffelfelder, auf denen Männer und Frauen gerade per Handarbeit ernten. Wo immer ich vorüberfahre, winkt man freundlich von den Feldern zurück, wenn ich als erster die Hand zum Gruß erhebe.

Nach den Erzählungen hatte ich mir vorgestellt, daß praktisch jeder Hochlandbewohner ständig Cocablätter in der Backe stecken hat. So, wie im Jemen tatsächlich fast jeder Mann ab den Mittagsstunden Qat kaut. Den Qat- wie den Cocablättern wird nachgesagt, daß sie Hungergefühle dämpfen und schwere, monotone Arbeit erträglicher machen. Cocablätter sollen auch der Höhenkrankheit vorbeugen. Doch Coca-kauende Menschen begegnen mir nicht sehr häufig.



Für fünf Lamas war es heute der letzte Tag.

La Paz liegt in recht kurioser Lage. Während man sich der Millionenstadt auf dem Altiplano nähert, sieht man lange Zeit nichts als die schmuddeligen Häuser des Vorortes El Alto. Man fährt weiter, die Straßen von El Alto werden breiter, die Häuser aber nicht schöner, und dann plötzlich tut sich im Norden ein tiefes Loch auf. Und darin liegt La Paz. In einem vierhundert Meter tiefen Loch, das von der Sohle bis hinauf zum Rand ausgekleidet ist mit dicht aneinandergesetzten Häusern.

Unten, im Zentrum von La Paz, gibt es noch etwas Kurioses: das San Pedro-Gefängnis, das fremden Besuchern offensteht wie ein Museum oder eine Kunstausstellung. Dieses Gefängnis hat die Größe eines Häuserblockes. Außen ist es natürlich umgeben von hohen Mauern und bewacht von zahllosen Polizisten. Innen ist es ein Dorf in der Stadt. Und nicht ein einziger Polizist läßt sich dort drinnen blicken.

weiter

Seite 1 | Seite 2 | Seite 3 | Seite 4 | Seite 5 | Seite 6 | Seite 7